Fast jede Küstenregion der Erde steht vor einer versteckten Bedrohung unter der Oberfläche. Eine neue globale Studie hat ergeben, dass Salzwasser entlang der Küsten weltweit in unterirdische Süßwasservorräte vordringt und Trinkwasser sowie Ackerland auf jedem bewohnten Kontinent gefährdet.
Die im Mai 2026 veröffentlichte Forschung kartierte die Verwundbarkeit von Küstengrundwasserleitern auf dem gesamten Planeten. Die Ergebnisse zeigen, dass das Problem nicht auf einige wenige Hotspots beschränkt ist. Es ist ein globales Phänomen.
Von Vietnam bis zur US-Ostküste: Die Salzwassergrenze rückt landeinwärts
Salzwasserintrusion tritt auf, wenn Meerwasser in Süßwasserleiter einsickert. Dies kann natürlich geschehen, aber menschliche Aktivitäten und steigende Meeresspiegel beschleunigen den Prozess. Die Studie identifizierte Regionen in Südostasien, dem Nahen Osten, Westafrika und der Ostküste der USA als besonders verwundbar.
In Vietnam ist im Mekong-Delta Salzwasser tiefer in Ackerland eingedrungen und schädigt Reisernten. Entlang der US-Atlantikküste haben Landwirte in Bundesstaaten wie Maryland und Delaware zugesehen, wie ihre Felder zu salzig wurden, um Mais oder Sojabohnen anzubauen. Die Studie stellt fest, dass niedrige Höhenlage und starke Grundwasserentnahme diese Gebiete anfällig für Intrusion machen.
Die lokalen Gemeinschaften sind betroffen, weil die Folgen unmittelbar sind. Brunnen, die einst sauberes Trinkwasser lieferten, werden brackig. Ernten fallen aus. Vieh kann das Wasser nicht trinken. Für Küstenstädte, die auf Grundwasser als primäre Wasserquelle angewiesen sind, kann die Veränderung teure Anpassungen erzwingen, wie den Bau von Entsalzungsanlagen oder das Herbeileiten von Wasser aus weiter entfernten Gebieten.
Eine stille Krise, die Aufmerksamkeit erfordert, bevor die Hähne trockenlaufen
Die Autoren der Studie analysierten Daten von Tausenden von Überwachungsbrunnen und nutzten Computermodelle, um zukünftige Risiken zu prognostizieren. Sie fanden heraus, dass selbst unter moderaten Klimaszenarien die von Salzwasserintrusion bedrohte Küstenlandfläche bis zum Ende des Jahrhunderts erheblich zunehmen könnte.
Grundwasser ist oft aus den Augen, aus dem Sinn. Anders als Flüsse oder Seen ist es nicht sichtbar, wenn es verschmutzt wird. Aber für die etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung, die innerhalb von 100 Kilometern von einer Küste leben, hat diese unsichtbare Verschiebung sehr sichtbare Auswirkungen. Die Studie fordert eine bessere Überwachung und eine sorgfältigere Bewirtschaftung der Grundwasserentnahme, um das Vordringen von Salzwasser zu verlangsamen.
Die Forschung macht deutlich, dass Salzwasserintrusion kein fernes Problem ist. Sie geschieht bereits, von den Reisfeldern Vietnams bis zu den Maisfeldern der USA. Die Frage ist, wie schnell sie sich ausbreiten wird und ob die Gemeinschaften sich anpassen können, bevor ihre Brunnen salzig werden.