Das Pflanzen von Bäumen entlang von Ackerland, um Ernten vor Wind zu schützen, kann tatsächlich viele Vogelarten vertreiben, zeigt eine neue Studie aus Japan. Forscher fanden heraus, dass Windschutzstreifen, also Baumreihen als Windschutz, die Zahl der Graslandvögel in nahegelegenen Feldern um mehr als 70 Prozent sinken ließen. Dieses Ergebnis stellt die allgemeine Annahme in Frage, dass das Hinzufügen von Bäumen in Agrarlandschaften immer gut für die Tierwelt ist.
Windschutzstreifen helfen manchen Vögeln, schaden anderen
Die Studie konzentrierte sich auf landwirtschaftliche Feuchtgebiete rund um den Lake Kahokugata an der Westküste Zentraljapans. Dieses Gebiet ist ein wichtiger Zwischenstopp für Zugvögel entlang der Ostasiatisch-Australasiatischen Zugroute. Die Landschaft wird von Reisfeldern, Lotusfeldern, Ackerland und Weideland dominiert. Starke Winterwinde und Stürme machen Windschutzstreifen zu einem häufigen Anblick, die gepflanzt werden, um Ernten vor Schäden zu schützen.
Forscher der Universität Hiroshima untersuchten die Vogelpopulationen auf diesen Feldern. Sie fanden heraus, dass Windschutzstreifen zwar einigen Vogelarten Lebensraum boten, aber die Häufigkeit und Vielfalt der Vögel, die auf offene Grasland- und Feuchtgebiete angewiesen sind, stark reduzierten. Die Häufigkeit von Graslandvögeln sank in der Nähe der Baumreihen um mehr als 70 Prozent. Die Studie wurde im Journal of Environmental Management veröffentlicht.
Warum lokale Landwirte und Naturschützer darauf achten sollten
Landwirtschaftliche Feuchtgebiete wie die rund um den Lake Kahokugata erfüllen eine doppelte Funktion. Sie produzieren Nahrung und dienen vielen Vogelarten, darunter Zugvögeln, als Ersatzfeuchtgebiete. Diese Lebensräume sind weltweit rückläufig. Viele Naturschutzprogramme ermutigen Landwirte, Bäume und Hecken zu pflanzen, um die Artenvielfalt zu fördern. Aber der Großteil der Forschung, die diese Praxis unterstützt, stammt von Acker- und Grasland in Europa und Nordamerika, nicht von nassen Agrarlandschaften wie asiatischen Reisfeldern.
Masumi Hisano, Assistenzprofessor an der Universität Hiroshima und Hauptautor der Studie, sagte, die zentrale Frage sei, ob Windschutzstreifen allen landwirtschaftlichen Vögeln in landwirtschaftlichen Feuchtgebieten gleichermaßen zugutekommen oder ob sie Nachteile schaffen, indem sie Arten benachteiligen, die auf offene Lebensräume angewiesen sind. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass gut gemeinte Naturschutzmaßnahmen unerwartete Gewinner und Verlierer hervorbringen können.
Ein komplexeres Bild für den Naturschutz
Die Studie spricht sich nicht gegen das Pflanzen von Bäumen aus. Sie zeigt, dass die Auswirkungen von Windschutzstreifen von der Landschaft und den beteiligten Arten abhängen. In landwirtschaftlichen Feuchtgebieten, in denen Vögel offener Lebensräume bereits unter Druck stehen, kann das Hinzufügen von Bäumen die Situation verschlimmern. Naturschutzprogramme, die das Pflanzen von Bäumen als universelles Gut fördern, müssen möglicherweise überdenken, insbesondere in Regionen, in denen Reisfelder und andere nasse Agrarflächen kritische Lebensräume für Vögel bieten, die weite offene Flächen benötigen.