Eine Bibliothek in China gilt als die wärmste des Landes, nachdem sie Obdachlose willkommen hieß und später einem verstorbenen Stammgast eine Bronzestatue widmete. Diese Geste hat viele im ganzen Land berührt und einen stillen Lesesaal zu einem Symbol stiller Mitmenschlichkeit gemacht.
Ein Stammleser, der nie ein Buch auslieh
Der Mann ohne festen Wohnsitz verbrachte fast jeden Tag in der Bibliothek in Ningbo, Ostchina. Er lieh keine Bücher aus, las aber Zeitungen und Zeitschriften und saß immer am selben Platz am Fenster. Personal und andere Besucher kannten ihn gut, obwohl nur wenige seinen Namen wussten. Er starb 2023, und die Bibliothek beschloss, auf bleibende Weise an ihn zu erinnern.
Eine Statue, die mehr sagt als Worte
Anfang 2025 stellte die Bibliothek eine lebensgroße Bronzestatue des Mannes an seinem üblichen Tisch auf. Die Figur zeigt ihn sitzend, leicht nach vorne gebeugt, mit einer Zeitung in der Hand. Die Statue ist zu einem stillen Wahrzeichen geworden, und viele Besucher bleiben stehen, um ihre Achtung zu erweisen. Der Direktor der Bibliothek sagte, der Mann sei Teil des täglichen Lebens der Bibliothek gewesen, und die Statue sei eine Möglichkeit, diese Verbundenheit zu ehren.
Die Bibliothek, die von der Stadtregierung Ningbo betrieben wird, hat Obdachlosen schon lange erlaubt, ihre Einrichtungen zu nutzen. Sie bietet kostenloses Wasser, Heizung und einen sicheren Ort zum Ausruhen. Diese Politik begann vor Jahren und hat die Bibliothek zu einem seltenen Zufluchtsort in einer Stadt gemacht, in der die Wintertemperaturen unter den Gefrierpunkt fallen können. Die Anwohner haben die Bibliothek dafür gelobt, dass sie jeden mit Würde behandelt, und die Statue hat diesen Ruf nur gestärkt.
Die Geschichte des Mannes verbreitete sich in den chinesischen sozialen Medien weit, und viele Nutzer nannten die Bibliothek ein Vorbild an Freundlichkeit. Einige sagten, die Statue sei eine Erinnerung daran, dass jeder Mensch zählt, unabhängig von seinen Umständen. Andere bemerkten, dass die Wärme der Bibliothek nicht nur mit der Temperatur im Inneren zu tun habe, sondern mit dem Willkommen, das sie denen bot, die nirgendwo sonst hingehen konnten.
Die Statue steht nun als stiller Tribut an einen Mann, der nichts wollte als einen Platz zum Lesen. Sie steht auch als Erinnerung daran, dass kleine Akte der Anständigkeit bleibende Spuren in einer Gemeinschaft hinterlassen können. In einem Land, in dem öffentliche Räume oft überfüllt und geschäftig sind, hat diese Bibliothek sich entschieden, innezuhalten und einen der Ihren zu gedenken.