Ein einziges Jahr mit extremem Wetter in Indonesien hat 7% der seltensten Menschenaffen der Welt ausgelöscht. Der Tapanuli-Orang-Utan, bereits kritisch gefährdet, verlor durch Erdrutsche, die durch unaufhörliche Regenfälle im Jahr 2025 ausgelöst wurden, Dutzende seiner Mitglieder.
Eine Art näher am Abgrund
Der Tapanuli-Orang-Utan lebt nur im Batang-Toru-Ökosystem auf der Insel Sumatra, Indonesien. Wissenschaftler hatten vor letztem Jahr auf weniger als 800 verbliebene Individuen geschätzt. Neue Forschung zeigt, dass Erdrutsche im Jahr 2025 mindestens 56 von ihnen töteten. Das sind etwa 7% der Gesamtpopulation. Für eine Art mit einer so kleinen Zahl ist der Verlust so vieler in einem Jahr ein schwerer Schlag.
Was die Studie herausfand
Forscher indonesischer Universitäten und Naturschutzgruppen analysierten Satellitenbilder und Feldberichte nach einer ungewöhnlich nassen Regenzeit. Sie verknüpften die Todesfälle direkt mit Erdrutschen, die durch bewaldete Gebiete fegten, in denen die Orang-Utans leben. Die Studie machte weder Abholzung noch Bergbau für diese speziellen Todesfälle verantwortlich. Stattdessen wies sie auf die Intensität des Regens selbst hin. Die Niederschläge waren so heftig, dass Hänge nachgaben und Teile des Lebensraums begruben.
Auch lokale Gemeinschaften in Nordsumatra spürten die Auswirkungen. Mehrere Dörfer berichteten von Schäden an Ernten und Straßen durch dieselben Erdrutsche. Für Menschen, die in der Nähe des Waldes leben, hat der Orang-Utan kulturelle und ökologische Bedeutung. Viele Bewohner sind auf dieselben Wassereinzugsgebiete und Hänge angewiesen, die eingestürzt sind.
Eine fragile Zukunft
Der Tapanuli-Orang-Utan wurde erst 2017 als eigenständige Art identifiziert. Sein Lebensraum ist bereits durch einen Wasserkraftdamm und landwirtschaftliche Expansion fragmentiert. Jetzt hat sich extremes Wetter als direkter Töter erwiesen. Wissenschaftler sagen, dass die Regenmuster, die die Erdrutsche verursachten, mit breiteren Verschiebungen im globalen Klima übereinstimmen. Die Studie fügt einen deutlichen Datenpunkt zu den wachsenden Beweisen hinzu, dass der Klimawandel keine ferne Bedrohung ist, sondern eine gegenwärtige für gefährdete Arten.
Ohne Eingreifen könnte ein weiteres nasses Jahr den Tapanuli-Orang-Utan noch näher an die Ausrottung bringen. Naturschützer fordern eine bessere Überwachung von Erdrutschrisiken und Notfallpläne, die sowohl Menschen als auch Wildtiere einbeziehen. Das Schicksal dieses Menschenaffen hängt nun davon ab, wie schnell die Welt handelt, um das Klima zu stabilisieren und die letzten Reste seiner Heimat zu schützen.