Astronomen haben ein echtes Zuckermolekül in einer fernen Sternentstehungsregion entdeckt. Es ist der komplexeste Zucker, der je jenseits unseres Sonnensystems nachgewiesen wurde. Das Molekül namens Erythrulose enthält vier Kohlenstoffatome und gehört zu einer Klasse von Verbindungen, die für das Leben auf der Erde essenziell sind.
Eine süße Entdeckung in einer Sternenwiege
Das Molekül wurde in einer Gas- und Staubwolke namens G+0.693 gefunden, die sich nahe des Zentrums der Milchstraße in den Vereinigten Staaten befindet. Forscher nutzten Radioteleskope, um die chemische Signatur von Erythrulose in dieser interstellaren Wolke zu identifizieren. Die Entdeckung wurde von einem Team unter der Leitung von Wissenschaftlern des italienischen Nationalinstituts für Astrophysik gemacht und am 13. Juli 2026 in Nature News veröffentlicht.
Erythrulose ist das, was Chemiker einen echten Zucker nennen, weil es eine spezifische Struktur hat, die sowohl eine Carbonylgruppe als auch mehrere Hydroxylgruppen umfasst. Frühere Nachweise von Zucker im Weltall hatten nur einfachere Moleküle mit drei Kohlenstoffatomen wie Glycerinaldehyd ergeben. Dieser neue Fund hebt die Komplexitätsschwelle an und zeigt, dass größere Zuckermoleküle im Weltall entstehen können.
Warum lokale Wissenschaftler genau hinschauen
Für Astronomen und Astrobiologen ist dies nicht nur eine chemische Kuriosität. Zucker sind grundlegende Bausteine des Lebens. Sie bilden das Rückgrat von RNA und DNA und spielen eine Schlüsselrolle bei der zellulären Energiegewinnung. Die Entdeckung eines Zuckers wie Erythrulose in einer Sternentstehungsregion deutet darauf hin, dass die Rohstoffe für Leben in der gesamten Galaxie weit verbreitet sein könnten.
Die Wolke G+0.693 ist besonders interessant, weil sie eine heiße, dichte Region ist, in der neue Sterne geboren werden. Die Bedingungen dort könnten denen ähneln, die existierten, als unser eigenes Sonnensystem entstand. Wenn Zucker in solchen Umgebungen überleben und sogar entstehen können, könnten sie durch Kometen oder Meteoriten zur frühen Erde gelangt sein.
Ein Schritt zum Verständnis der chemischen Ursprünge des Lebens
Der Nachweis von Erythrulose beweist nicht, dass Leben anderswo existiert. Aber er zeigt, dass komplexe organische Moleküle im Weltall ohne die Hilfe lebender Organismen entstehen können. Das Team plant, in derselben Wolke nach noch größeren Zuckern zu suchen. Jedes neue Molekül fügt ein Puzzleteil hinzu, wie sich die chemischen Vorläufer des Lebens auf der jungen Erde zusammengefunden haben.