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Stummes Gen bei Friedreich-Ataxie durch unkonventionelle Methode reaktiviert

Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, ein Gen zu aktivieren, das bei Friedreich-Ataxie, einer schwächenden neurodegenerativen Erkrankung, abnormal abgeschaltet ist. Die Entdeckung, die am St. Jude Children's Research Hospital...

Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, ein Gen zu aktivieren, das bei Friedreich-Ataxie, einer schwächenden neurodegenerativen Erkrankung, abnormal abgeschaltet ist. Die Entdeckung, die am St. Jude Children's Research Hospital in den USA gemacht wurde, zeigt, dass stumme Gene nicht so fest verschlossen sind wie bisher angenommen. Stattdessen kann die Verpackung um die DNA von einem speziell entwickelten chemischen Adapter durchdrungen werden, der aktivierende Proteine zum Gen im Inneren bringt.

Eine überraschende Lockerheit in der Genverpackung

Zellen schalten Gene ab, indem sie DNA eng um Proteine wickeln, die Histone genannt werden. Diese Verpackung galt als solide Barriere, aber die neue Forschung zeigt, dass sie sich unter bestimmten Bedingungen eher wie Melasse verhalten kann. Der chemische Adapter bewegt sich durch diese halbflüssige Verpackung und ermöglicht es genaktivierenden Proteinen, das stumme Frataxin-Gen zu erreichen. Dieser Prozess reaktivierte das Gen in Laborexperimenten erfolgreich und bietet einen neuen Ansatz zur Behandlung von Friedreich-Ataxie.

Die Studie, veröffentlicht in Nature Cell Biology, stellt eine lang gehegte Annahme über die Funktionsweise von Histonmodifikationen in Frage. Wissenschaftler dachten bisher, dass diese chemischen Veränderungen auf einfache Weise wie ein Schalter wirken. Die neuen Erkenntnisse deuten auf einen nuancierteren Mechanismus hin, bei dem die Fließfähigkeit der Verpackung ausgenutzt werden kann, um auf abgeschaltete Gene zuzugreifen.

Was das für Friedreich-Ataxie bedeutet

Friedreich-Ataxie wird durch das Abschalten des Frataxin-Gens verursacht, was zu fortschreitenden Schäden am Nervensystem führt. Patienten verlieren oft die Fähigkeit zu gehen und können Herzprobleme entwickeln. Die Arbeit des St. Jude-Teams steckt noch in den Anfängen, aber sie eröffnet einen potenziellen Weg für Therapien, die das stumme Gen direkt reaktivieren. Lokale Forscher und Patientengruppen haben großes Interesse gezeigt, da aktuelle Behandlungen nur Symptome lindern, aber nicht die Ursache angehen.

Die Entdeckung hat auch breitere Auswirkungen auf die Epigenetik, die Untersuchung, wie Gene ohne Veränderungen an der DNA-Sequenz reguliert werden. Indem gezeigt wird, dass stumme Gene zugänglich und reaktivierbar sind, könnte die Forschung neue Strategien für andere Krankheiten inspirieren, bei denen Genabschaltung eine Rolle spielt, wie bestimmte Krebsarten.

Ein neues Verständnis der Genkontrolle

Die Ergebnisse verändern die Sichtweise der Wissenschaftler auf den physischen Zustand der DNA-Verpackung. Statt eines starren Blocks scheint die Verpackung eine dynamische Qualität zu haben, die nutzbar ist. Dies könnte zu gezielteren Eingriffen führen, bei denen bestimmte Gene aktiviert werden, ohne andere zu beeinflussen. Das St. Jude-Team untersucht nun, wie dieser Adapter in lebenden Organismen funktioniert, obwohl diese Ergebnisse noch nicht vorliegen.

Für jetzt steht die Studie als Machbarkeitsnachweis, dass stumme Gene nicht dauerhaft unzugänglich sind. Sie bietet Hoffnung für Patienten mit Friedreich-Ataxie und fügt dem Feld der Genregulation eine neue Komplexitätsebene hinzu. Die Forschung wurde von St. Jude und anderen Organisationen finanziert, und das Team plant, das therapeutische Potenzial dieses Ansatzes weiter zu untersuchen.

Quelle: Phys.org

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