Das Schweizer Dorf Kandersteg bereitet sich auf einen massiven Felssturz vor, da tauender Permafrost die steilen Berghänge darüber schwächt. Wissenschaftler haben einen großen instabilen Felsbereich entdeckt, der jeden Moment abbrechen könnte, und versetzt die Gemeinde mit etwa 1.300 Einwohnern in höchste Alarmbereitschaft.
Ein Berg, der nicht stillhalten will
Seit Monaten überwachen Messgeräte eine langsame, aber stetige Bewegung an den Flanken des imposanten Gipfels, der über Kandersteg thront. Die instabile Zone, die schätzungsweise Hunderttausende Kubikmeter Gestein umfasst, kriecht bergab, während das Eis, das sie einst zusammenhielt, schmilzt.
Permafrost, der normalerweise hochalpines Gelände das ganze Jahr über gefroren hält, taut nun in beispiellosen Tiefen auf. Dadurch bleibt zerklüftetem Fels nichts, das ihn an Ort und Stelle hält, und einst stabile Klippen werden zu Zeitbomben.
Ein Dorf am Rande
Kandersteg liegt in einem engen Tal im Berner Oberland und ist ein beliebtes Tor für Wanderer und Kletterer. Die Behörden haben bereits mehrere Wanderwege gesperrt und Sperrzonen in der Nähe des Gefahrengebiets eingerichtet. Warnschilder und Barrieren markieren nun Pfade, die Einheimische seit Generationen nutzen.
Die Bewohner wurden aufgefordert, wachsam zu bleiben und Evakuierungsbefehlen zu folgen, falls sich die Lage verschlechtert. Notfallpläne sind vorhanden, und Geologen überwachen den Hang rund um die Uhr mit Radar- und GPS-Sensoren. Die Dorfschule, die Kirche und die Hauptstraße liegen alle in der potenziellen Einschlagszone, weshalb die Behörden kein Risiko eingehen.
Für die Menschen in Kandersteg ist dies nicht nur eine wissenschaftliche Kuriosität. Der Berg ist seit Jahrhunderten Teil ihrer Identität, und zu sehen, wie er zur Bedrohung wird, ist beunruhigend. Viele erinnern sich an frühere Felsstürze in der Region, aber keiner hat sich so bedrohlich über ihren Häusern abgezeichnet.
Eine Katastrophe in Zeitlupe
Der Einsturz ist noch nicht passiert, und er könnte noch Wochen oder sogar Monate auf sich warten lassen. Aber das Warten selbst ist eine Art Druck. Jedes Grollen vom Hang, jeder neue Riss, den Drohnen entdecken, erhöht die Anspannung.
Geologen sagen, die Situation sei eine direkte Folge der steigenden Temperaturen in den Alpen, die sich etwa doppelt so schnell erwärmen wie der globale Durchschnitt. Mit dem Auftauen des Permafrosts treten ähnliche Instabilitäten in der gesamten Bergkette auf, von Frankreich bis Österreich. Kandersteg ist derzeit nur das sichtbarste Beispiel.
Das Dorf ist zu einer Fallstudie dafür geworden, wie sich Gemeinschaften an eine Landschaft anpassen, die sich unter ihren Füßen verändert. Vorerst tun die Menschen in Kandersteg, was sie können: beobachten, warten und hoffen, dass der Berg noch ein wenig länger hält.