Eine einzige Expedition zu einer Kette von Unterwasserbergen im Indischen Ozean hat 149 Arten erbracht, die die Wissenschaft nie zuvor dokumentiert hat. Die Entdeckung, die von Forschern des australischen Museums Victoria bekannt gegeben wurde, verdoppelt die bekannte Biodiversität dieser abgelegenen Seeberge und legt nahe, dass die Tiefsee weit mehr Überraschungen birgt als bisher gedacht.
Ein verborgenes Tierreich unter den Wellen
Das Team verbrachte 45 Tage an Bord des Forschungsschiffs Investigator und untersuchte Seeberge südwestlich der Kokos-(Keeling-)Inseln, einem australischen Territorium. Mit einem Tiefseeroboter und Schleppnetzen sammelten sie Proben aus Tiefen zwischen 200 und 5.000 Metern. Unter den Funden waren 149 neue Arten, darunter 60 Gliederfüßer, 40 Schwämme, 23 Fische, 16 Nesseltiere (Korallen und Anemonen) und 10 Stachelhäuter wie Seesterne und Seegurken.
Ein markantes Beispiel ist eine Schwammkrabbe aus der Gattung Sphaerodromia, die einen lebenden Schwamm als Tarnung auf dem Rücken trägt. Ein weiteres ist ein leuchtend roter Tiefsee-Anglerfisch mit einem glühenden Köder. Die Forscher fanden auch einen Seeigel mit langen, nadelartigen Stacheln und einen fleischfressenden Schwamm, der kleine Krebstiere in seinem netzartigen Körper fängt.
Warum diese Unterwassergipfel wichtig sind
Seeberge sind Unterwasserberge, die vom Meeresboden aufsteigen, aber die Oberfläche nicht erreichen. Sie erzeugen nährstoffreiche Strömungen, die eine dichte Vielfalt an Leben anziehen, was sie zu Biodiversitäts-Hotspots macht. Die untersuchten Seeberge sind Teil eines geschützten Meeresparks, aber das Gebiet ist auch Ziel von Tiefseefischerei und möglichen Bergbauaktivitäten. Lokale Wissenschaftler und Naturschutzgruppen in Australien haben sich lange für ein besseres Verständnis dieser Lebensräume eingesetzt, bevor sich industrielle Aktivitäten ausweiten.
Die Expedition war Teil einer breiteren Anstrengung, das Leben in Australiens abgelegenen Territorien im Indischen Ozean zu kartieren und zu katalogisieren. Die Forscher nutzten sowohl physische Sammlung als auch hochauflösende Videos, um die Kreaturen in ihrer natürlichen Umgebung zu dokumentieren. Viele der neuen Arten sind wahrscheinlich endemisch, das heißt, sie existieren nirgendwo sonst auf der Erde.
Die schiere Anzahl neuer Arten, die in einem relativ kleinen Gebiet gefunden wurde, unterstreicht, wie wenig über den tiefen Ozean bekannt ist. Während die Forscher ihre Proben weiter analysieren, erwarten sie, dass die Gesamtzahl steigen wird. Diese Entdeckung erweitert nicht nur den Baum des Lebens, sondern liefert auch eine Basis für zukünftige Naturschutzentscheidungen in einer Region, die wachsendem menschlichem Druck ausgesetzt ist.