85 Jahre lang behauptete eine einzige alte Studie, Australiens größtes gleitendes Beuteltier könne 100 Meter durch die Luft segeln. Neue Forschung zeigt, dass die tatsächliche Distanz viel kürzer ist: durchschnittlich nur 19 Meter.
Erste Messung von Riesengleiterflügen
Forscher in New South Wales führten die erste Studie durch, die tatsächlich die Flugfähigkeit von Riesengleitern maß. Sie verfolgten die Tiere, während sie von Baumkronen starteten und zu nahen Stämmen glitten. Die durchschnittliche Flugdistanz betrug 19 Meter, ein dramatischer Rückgang gegenüber der 100-Meter-Angabe, die jahrzehntelang zitiert wurde.
Die Studie fand in den Wäldern von New South Wales statt, wo Riesengleiter heimisch sind. Diese Beuteltiere sind die größte gleitende Art Australiens, aber bis jetzt hatte niemand systematisch gemessen, wie weit sie tatsächlich durch die Luft reisen.
Ein magischer fliegender Teppich oder ein Stachelrochen-UFO
Lokale Forscher beschrieben die Gleiter in lebhaften Bildern. Ein Beobachter sagte, das Tier verwandle sich von einem zusammengekauerten Fellball oben auf einem Baum, der nach unten schaut, zu einem plötzlichen Ausbreiten seiner Gliedmaßen und Fliegen über den Köpfen wie ein magischer fliegender Teppich. Ein anderer verglich es mit einem seltsamen Stachelrochen-UFO-Ding am Himmel.
Die 100-Meter-Behauptung stammte aus einer vor 85 Jahren veröffentlichten Studie. Diese ältere Angabe wurde in Wildtierführern und Naturschutzmaterialien über Generationen hinweg wiederholt. Die neue Forschung deutet darauf hin, dass die frühere Schätzung nie auf direkter Messung tatsächlicher Gleitflüge basierte.
Warum das für den Naturschutz wichtig ist
Für Menschen in New South Wales hat der Befund praktische Auswirkungen. Riesengleiter gelten bereits als gefährdet, und ihr Lebensraum steht durch Holzeinschlag und Landrodung unter Druck. Die Kenntnis ihrer tatsächlichen Gleitreichweite hilft Naturschützern zu verstehen, wie weit Bäume voneinander entfernt sein müssen, damit die Tiere sich sicher durch den Wald bewegen können. Wenn Gleiter im Durchschnitt nur 19 Meter überbrücken können, dann könnten Waldlücken, die breiter sind, ihre Bewegung vollständig blockieren.
Die Studie ging nicht darauf ein, warum die ursprüngliche 100-Meter-Angabe so weit daneben lag. Sie lieferte einfach die ersten echten Daten darüber, wie diese Tiere tatsächlich reisen. Die Forscher verfolgten einzelne Flüge und zeichneten die Distanzen auf, womit Jahrzehnte der Abhängigkeit von einer unbestätigten Zahl beendet wurden.
Vorerst bleibt der Riesengleiter ein Geschöpf, das sich von einem flauschigen Ball in eine Flugform verwandelt, die nichts anderem im australischen Busch gleicht. Aber seine Flüge sind kürzer, als irgendjemand angenommen hatte.