Ein Haus, das nicht gegen das Hochwasser kämpft, sondern darauf schwimmt, bietet jetzt Familien in einem der am stärksten von Überschwemmungen bedrohten Länder der Erde Schutz. In Bangladesch, wo steigende Flüsse regelmäßig Häuser wegspülen, bleibt eine winzige Behausung namens Khudi Bari trocken, indem sie mit dem Wasser steigt.
Ein Haus, das statt zu ertrinken, aufsteigt
Khudi Bari, was auf Bengalisch „Tiny House“ bedeutet, ist auf einer Plattform gebaut, die von leeren Bambustrommeln getragen wird. Wenn das Hochwasser kommt, sorgen die Trommeln für Auftrieb und die gesamte Konstruktion hebt sich. Wenn das Wasser zurückgeht, setzt sich das Haus wieder auf dem Boden ab. Der Entwurf stammt von Architekt Asif Salman und seinem Team der Firma KB. Die Häuser sind klein, etwa 3 mal 3 Meter, und kosten etwa 60.000 Bangladeschische Taka oder umgerechnet etwa 500 US-Dollar.
Warum einheimische Familien sich fürs Bleiben entscheiden
In den tiefliegenden Flussbecken Bangladeschs sind saisonale Überschwemmungen eine Tatsache des Lebens. Doch extreme Fluten sind schwerer und unberechenbarer geworden. Viele Familien in ländlichen Gebieten waren gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und in die Städte zu ziehen. Das Khudi Bari bietet eine Alternative. Es ermöglicht den Menschen, auf ihrem Land zu bleiben, in der Nähe ihrer Lebensgrundlagen, selbst wenn das Wasser steigt. Das Haus wird aus lokalen Materialien gebaut und kann in wenigen Tagen zusammengesetzt werden. Familien müssen nicht evakuieren oder nach jeder Flut neu aufbauen. Sie warten einfach darauf, dass das Wasser sinkt.
Die ersten Khudi-Bari-Einheiten wurden im nördlichen Distrikt Kurigram installiert, einem der am stärksten von jährlichen Überschwemmungen betroffenen Gebiete. Bewohner dort sagten den Architekten, dass das Haus ihr Leben verändert habe. Sie müssten sich keine Sorgen mehr machen, alles durch das Wasser zu verlieren. Der Entwurf hat seitdem die Aufmerksamkeit von Hilfsorganisationen und Regierungsbeamten auf sich gezogen, die nach kostengünstigen, praktischen Lösungen für klimabedingte Vertreibung suchen.
Eine einfache Idee, eine Bambustrommel und eine Plattform haben den Menschen etwas Seltenes in einer Überschwemmungszone gegeben: ein Zuhause, das ein Zuhause bleibt.