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Grillen pflegen verletzte Fühler wie Hunde ihre Pfoten lecken

Grillen streicheln und pflegen ein schmerzendes Fühlerglied genauso, wie ein Hund seine verletzte Pfote versorgt. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie aus Australien, die darauf hindeutet, dass Insekten doch Schmerz empfinden...

Grillen streicheln und pflegen ein schmerzendes Fühlerglied genauso, wie ein Hund seine verletzte Pfote versorgt. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie aus Australien, die darauf hindeutet, dass Insekten doch Schmerz empfinden könnten.

Associate Professor Thomas White, ein Entomologe an der University of Sydney, leitete die Studie. Er beschrieb das Schmerzerlebnis als ein „längeres, anhaltendes, wehtuendes Gefühl“, das sich von einem einfachen, fest verdrahteten Nervenreflex unterscheidet. Die Forschung konzentrierte sich auf ein Verhaltensmerkmal namens „flexibler Selbstschutz“. Damit können Wissenschaftler feststellen, ob ein Tier tatsächlich Schmerz fühlt oder nur automatisch reagiert.

Grillen zeigen die gleiche schützende Pflege wie Säugetiere

Die Wissenschaftler beobachteten Grillen, nachdem sie eines ihrer Fühlerglieder verletzt hatten. Die Insekten ignorierten die Verletzung nicht einfach. Stattdessen verbrachten sie zusätzliche Zeit damit, das beschädigte Fühlerglied zu pflegen und zu versorgen. Dieses Verhalten spiegelt wider, was Säugetiere tun, wenn sie ein verletztes Körperteil versorgen. Die Grillen schienen die schmerzende Stelle zu schützen, nicht nur mit einem festen Reflex zu reagieren. Diese flexible Reaktion ist entscheidend. Sie deutet darauf hin, dass die Grillen etwas erleben, das dem ähnelt, was Menschen als Schmerz bezeichnen.

Warum das für unseren Umgang mit Insekten wichtig ist

Die Studie fand an der University of Sydney in Australien statt. White und sein Team gehören zu einem wachsenden Forschungsfeld, das lang gehegte Annahmen über die Empfindungsfähigkeit von Insekten infrage stellt. Jahrelang gingen viele Wissenschaftler davon aus, dass Insekten zu einfach seien, um Schmerz zu fühlen. Sie glaubten, dass die Reaktionen von Insekten auf Verletzungen rein automatisch seien. Diese neuen Erkenntnisse stellen diese Sichtweise infrage. Wenn Insekten Schmerz empfinden können, wirft das Fragen auf, wie wir sie in der Landwirtschaft, in der Forschung und im Alltag behandeln. Menschen in Australien und auf der ganzen Welt könnte das betreffen, weil Insekten überall sind. Von den Grillen im Hinterhof bis zu den Fliegen in der Küche deutet diese Forschung darauf hin, dass diese Kreaturen ein reicheres Innenleben haben könnten als bisher angenommen.

Ein Wandel im Verständnis der Insektenerfahrung

Die Erkenntnis beweist nicht, dass alle Insekten Schmerz empfinden. Aber sie öffnet die Tür für diese Möglichkeit. Die Forschung liefert ein klares, beobachtbares Verhalten, mit dem Wissenschaftler andere Insektenarten testen können. Wenn flexibler Selbstschutz ein zuverlässiges Zeichen für Schmerz ist, dann könnten viele Insekten infrage kommen. Diese Studie reiht sich in eine wachsende Zahl von Belegen ein, dass die Insektenwelt komplexer ist, als wir einst glaubten. Sie sagt uns nicht, was wir mit diesem Wissen anfangen sollen. Sie zeigt nur, dass sich eine Grille mit einem schmerzenden Fühlerglied so verhält, dass es sehr nach Schmerz aussieht.

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