Ein japanisches Konzept namens „Ibasho“ könnte eines der wirksamsten Mittel sein, um Katastrophenüberlebenden bei der Genesung zu helfen. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ein Ort, an dem man sich zugehörig fühlt, die psychische Gesundheit nach einer Katastrophe erheblich verbessern kann.
Die Studie unter der Leitung von Forschern der Tohoku-Universität in Japan befragte Überlebende des Erdbebens und Tsunamis von 2011, der die Nordostküste des Landes verwüstete. Sie fanden heraus, dass Menschen, die ein starkes Gefühl von Ibasho angaben, Jahre nach der Katastrophe seltener an posttraumatischer Belastungsstörung und Depressionen litten.
Was Ibasho bedeutet und warum es nach einer Katastrophe wichtig ist
Ibasho bedeutet sinngemäß „ein Ort, an dem du du selbst sein kannst“. Es ist nicht nur ein physischer Ort. Es kann ein Gemeindezentrum, das Zuhause eines Freundes oder sogar eine Gruppe von Menschen sein, die ein gemeinsames Interesse teilen. Entscheidend ist, dass sich die Person dort akzeptiert, sicher und wertgeschätzt fühlt.
Die Forscher befragten Überlebende zu ihrem Ibasho-Gefühl und verfolgten dann ihre psychische Gesundheit im Laufe der Zeit. Diejenigen mit einem starken Ibasho berichteten von geringeren psychischen Belastungen. Sie zeigten auch eine größere Widerstandsfähigkeit beim Wiederaufbau ihres Lebens.
Wie die Studie funktionierte und was sie ergab
An der Studie nahmen mehr als 1.000 Überlebende der Katastrophe von 2011 teil, bei der fast 20.000 Menschen ums Leben kamen und ganze Städte zerstört wurden. Die Forscher maßen Ibasho mit einer standardisierten psychologischen Skala. Sie bewerteten auch Symptome von PTBS, Depressionen und Angstzuständen.
Die Ergebnisse zeigten, dass Ibasho als Puffer gegen die schlimmsten psychischen Auswirkungen der Katastrophe wirkte. Selbst unter Berücksichtigung anderer Faktoren wie Alter, Geschlecht und Einkommen blieb der Zusammenhang zwischen Ibasho und besserer psychischer Gesundheit stark.
Warum lokale Gemeinschaften in Japan aufmerksam werden
Japan ist eines der katastrophenanfälligsten Länder der Welt. Erdbeben, Tsunamis und Taifune sind eine ständige Bedrohung. Jahrelang konzentrierte sich die Regierung auf physische Infrastruktur wie Wellenbrecher und Evakuierungsrouten. Aber diese Studie weist auf eine weichere, soziale Form des Schutzes hin.
Lokale Führungskräfte und Freiwilligengruppen suchen nun nach Möglichkeiten, Ibasho für Überlebende zu schaffen. Das könnte bedeuten, regelmäßige Gemeinschaftstreffen zu organisieren, temporäre Cafés zu eröffnen oder einfach sicherzustellen, dass die Menschen einen Ort zum Reden haben. Die Idee ist, dass der Wiederaufbau sozialer Verbindungen genauso wichtig ist wie der Wiederaufbau von Häusern.
Die Studie wurde in der Zeitschrift „Environmental Health and Preventive Medicine“ veröffentlicht. Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse Regierungen und Hilfsorganisationen dazu ermutigen, soziale Räume als Teil von Katastrophenwiederherstellungsplänen zu fördern.
In einem Land, in dem der Boden jeden Moment beben kann, geht die Suche nach Stabilität über Beton und Stahl hinaus. Ibasho erinnert daran, dass Heilung oft mit einem einfachen Gefühl beginnt: dass du nicht allein bist.