Mausaugen wurden dazu gebracht, Fotosynthese zu betreiben. Wissenschaftler in Japan verpflanzten winzige Energie produzierende Strukturen aus Spinatzellen in die Augen lebender Mäuse, und die fremden Pflanzenteile funktionierten weiterhin im tierischen Gewebe.
Das Experiment ist das erste Mal, dass Chloroplasten, die mikroskopisch kleinen Fabriken, die Pflanzen ermöglichen, Sonnenlicht in Energie umzuwandeln, in einem lebenden Tier funktioniert haben. Die Forschung wurde von einem Team der Universität Tokio geleitet und in einer Fachzeitschrift mit Peer-Review veröffentlicht.
Spinatbestandteile in Mäusenetzhäute eingeschleust
Die Forscher extrahierten Chloroplasten aus Spinatblättern und injizierten sie in die Netzhäute von Mäusen. Die Chloroplasten überlebten in den tierischen Zellen und begannen, Licht in chemische Energie umzuwandeln, genau wie in Pflanzen. Das Team bestätigte, dass die transplantierten Organellen aktiv waren, indem es die von ihnen produzierten Energiemoleküle maß.
Lokale Wissenschaftler und Augenärzte in Japan nahmen dies zur Kenntnis, weil die Arbeit einen neuen Weg zur Behandlung des Syndroms des trockenen Auges eröffnet, einer Erkrankung, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind. Beim Syndrom des trockenen Auges fehlt der Hornhaut ausreichend Feuchtigkeit, und aktuelle Behandlungen sind oft unzureichend.
Eine mögliche Lösung für trockene, geschädigte Augen
Das japanische Team testet nun, ob die fotosynthetischen Spinat-Chloroplasten helfen können, geschädigte Hornhäute zu heilen. Die Idee ist, dass die Chloroplasten Augenzellen, die Schwierigkeiten haben, sich selbst zu reparieren, zusätzliche Energie liefern könnten. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Ansatz bei Mäusen sicher ist, aber Studien am Menschen sind noch Jahre entfernt.
Vorerst gilt der Befund als Machbarkeitsnachweis: Pflanzenzellen können in tierischen Körpern arbeiten. Die Mäuse zeigten während des Studienzeitraums keine Anzeichen von Abstoßung oder Schäden durch die Spinat-Transplantationen.
Dies ist keine Science-Fiction. Es ist ein Laborergebnis einer Universität in Tokio, wo Forscher ein Blatt eines Gemüses aus dem Supermarkt nahmen und es in einem Lebewesen arbeiten ließen. Ob die Technik jemals einem Menschen helfen wird, besser zu sehen oder weniger Trockenheit in den Augen zu spüren, hängt von weiteren Jahren der Tests ab. Aber die Tatsache, dass eine Mausnetzhaut mit Sonnenlicht betrieben werden kann, wenn auch nur ein wenig, ist eine Tatsache, die das verändert, was Biologen für möglich hielten.