Ein einzelnes großes KI Rechenzentrum kann so viel Abwärme produzieren wie eine Kleinstadt. Neue Forschung zeigt, dass diese Anlagen nicht nur Strom und Wasser verschlingen. Sie erwärmen messbar die Luft um sie herum.
Die Wärmeabgabe einer Anlage übertrifft tausende Haushalte
Ein typisches großes KI Rechenzentrum erzeugt zwischen 80 und 120 Megawatt Wärme. Das entspricht ungefähr der Heizleistung von 10.000 bis 15.000 Haushalten in einem kalten Klima. Die Wärme stammt von tausenden Computerchips, die ununterbrochen komplexe Berechnungen durchführen. Kühlsysteme blasen dann die heiße Luft nach draußen. In den USA, wo viele dieser Zentren konzentriert sind, haben Nachbarschaften in Nordvirginia und Teilen Kaliforniens spürbare Temperaturanstiege in nahegelegenen Straßen gemeldet.
Warum Anwohner aufmerksam werden
Die Studie, veröffentlicht von Forschern in den USA und Europa, kartierte Standorte von Rechenzentren und ihre thermischen Fußabdrücke. Sie fanden heraus, dass die Abwärme in manchen Gebieten die lokale Umgebungstemperatur um bis zu einem Grad Celsius erhöht hat. Das klingt vielleicht nicht viel, aber für Gemeinden, die bereits mit Hitzewellen kämpfen, bedeutet es zusätzliche Belastung. Anwohner im Loudoun County, Virginia, Heimat der weltweit größten Konzentration von Rechenzentren, haben Bedenken wegen steigender Stromrechnungen und heißerer Sommer geäußert. Lokale Beamte diskutieren nun, ob neue Anlagen verpflichtet werden sollen, ihre Abwärme zu erfassen und wiederzuverwenden.
Wo die heißesten Zentren sind und was getan wird
Die Forschung identifizierte die USA, China und Teile Europas als die wichtigsten Regionen für die Wärmeabgabe von KI Rechenzentren. Allein in den USA ist die gesamte von diesen Zentren produzierte Wärme vergleichbar mit dem Energieverbrauch von mehreren Millionen Haushalten. Einige Anlagen in Finnland und Schweden haben begonnen, Abwärme in Fernwärmesysteme zu leiten, die Häuser und Büros beheizen. Aber an den meisten Orten wird die Wärme einfach in die Atmosphäre abgegeben. Die Autoren der Studie merken an, dass das Problem ohne Änderungen im Design oder in der Regulierung wachsen wird, je mehr KI genutzt wird.
Diese Ergebnisse sprechen weder für noch gegen die Entwicklung von KI. Sie zeigen lediglich, dass die physische Infrastruktur der künstlichen Intelligenz eine lokale, greifbare Auswirkung auf die Umwelt hat. Da immer mehr Länder Rechenzentren bauen, um KI Systeme zu betreiben, wird die von ihnen produzierte Wärme zu einem Faktor in der Stadtplanung und Energiepolitik.