Jahrhundertelang gehörten die Piraten der Karibik der Legende an. Jetzt haben Archäologen handfeste Beweise vom Meeresboden des Hafens von Nassau auf den Bahamas geborgen: Musketenkugeln, einen verbrannten Rumpf und die Überreste eines Schiffs, das wahrscheinlich den Männern gehörte, die die Region im frühen 18. Jahrhundert terrorisierten.
Ein Piratenfriedhof unter dem Hafen
Ein Team des Bahamas Maritime Museum und der University of Bristol verbrachte Monate damit, eine als „Piratenfriedhof“ bekannte Stätte auszugraben. Sie bargen Dutzende Musketenkugeln, Fragmente eines verbrannten Holzrumpfs und Teile eines Schiffs, die den Abmessungen von Schiffen entsprechen, die von Piraten genutzt wurden, die von Nassau aus operierten. Das Wrack liegt in flachem Wasser direkt vor der Küste von New Providence Island, einem Ort, an dem lokale Fischer schon lange berichten, dass ihre Netze an etwas unter der Wasseroberfläche hängen bleiben.
Was die Artefakte verraten
Die Musketenkugeln sind klein, aus Blei und entsprechen der Munition, die im frühen 18. Jahrhundert verwendet wurde. Der Rumpf zeigt deutliche Brandspuren. Die Forscher glauben, dass das Schiff absichtlich verbrannt wurde, möglicherweise nach einer Schlacht oder um es zu versenken. Der Ort stimmt mit historischen Aufzeichnungen über Piratenaktivitäten in der Gegend überein. Nassau war in den 1710er Jahren ein berüchtigtes Piratennest, Heimat von Figuren wie Blackbeard und Charles Vane. Der Hafen war flach und geschützt, ideal für Piraten, um ihre Schiffe zu verstecken und zu reparieren.
Die Einheimischen auf den Bahamas waren schon immer stolz auf die Piratengeschichte der Insel. Die Entdeckung gibt ihnen eine greifbare Verbindung zu dieser Vergangenheit. Jahrelang wurde die Geschichte der Piraten in Nassau durch Bücher und Filme erzählt. Jetzt können die Bewohner auf echte Gegenstände zeigen, die nur wenige hundert Meter vor der Küste aus dem Wasser geholt wurden.
Warum das für die Bahamas wichtig ist
Bei dem Fund geht es nicht nur um Schätze oder Hollywood. Er bestätigt, dass das Piratennest Nassau real war und dass die Schiffe, die dort einst ankerten, Spuren hinterlassen haben. Die Artefakte werden im Bahamas Maritime Museum in Freeport ausgestellt, was Bahamianern und Besuchern die Möglichkeit gibt, Beweise aus der berüchtigtsten Ära des Landes zu sehen. Die Ausgrabung öffnet auch die Tür für weitere Suchen im Hafen, wo andere Wracks möglicherweise noch im Sand vergraben liegen.