Ein Fisch, der so selten ist, dass er ein ganzes Jahrzehnt lang nicht in den Gewässern Hongkongs gesehen wurde, ist wieder aufgespürt worden – nicht mit einem Netz oder einem Taucher, sondern mit einem Becher Meerwasser.
Wissenschaftler nutzten eine Technik namens Umwelt-DNA-Tracking, um den Tai-O-Fisch zu finden, eine Art, die nach dem historischen Fischerdorf auf Lantau Island benannt ist. Die Entdeckung markiert den ersten bestätigten Nachweis des Fisches in lokalen Gewässern seit 2014.
Ein verschwindender Fisch aus einem verschwindenden Dorf
Der Tai-O-Fisch, lokal als „Tai-O-Fisch“ bekannt, gedieh einst in den Brackwassergebieten nahe der Pfahlbausiedlung Tai O. Überfischung, Lebensraumverlust und Verschmutzung hatten die Art an den Rand der lokalen Ausrottung gebracht. Jahrelang fanden Fischer und Forscher nichts. Der Fisch wurde zum Symbol für das, was in der einst reichen Meereswelt der Gegend verloren gegangen war.
Forscher der Universität Hongkong und der Abteilung für Landwirtschaft, Fischerei und Naturschutz schlossen sich zusammen, um den Fisch mit einer Methode zu suchen, die keinen einzigen Fang erfordert. Sie sammelten Wasserproben von verschiedenen Stellen in Hongkongs westlichen Gewässern und filterten sie nach Spuren von genetischem Material, das von Fischen und anderen Organismen abgegeben wird.
Wie ein Glas Wasser einen Geisterfisch finden kann
Umwelt-DNA, oder eDNA, funktioniert, weil alle Lebewesen winzige genetische Spuren in ihrer Umgebung hinterlassen. Hautzellen, Schleim und Abfallstoffe treiben im Wasser. Durch die Analyse dieser Spuren können Wissenschaftler identifizieren, welche Arten ein Gebiet durchquert haben, ohne sie je zu Gesicht zu bekommen.
Das Team fand die genetische Signatur des Tai-O-Fisches in Proben, die in der Nähe seines historischen Lebensraums genommen wurden. Der Nachweis bedeutet nicht, dass der Fisch in großen Zahlen zurück ist, aber er beweist, dass zumindest einige Individuen noch in Hongkongs Gewässern überleben. Der Fund gibt Naturschützern einen Ausgangspunkt für Schutzbemühungen.
Die Einheimischen in Tai O hatten lange gehofft, dass der Fisch zurückkehren würde. Das Dorf, berühmt für seine Pfahlbauten und seine traditionelle Fischerkultur, hat über Jahrzehnte hinweg einen Rückgang seiner Meeresressourcen erlebt. Für viele ältere Dorfbewohner war der Tai-O-Fisch ein Grundnahrungsmittel der Kindheitsmahlzeiten und ein Indikator für die ökologische Gesundheit der Gegend.
Die Entdeckung garantiert nicht, dass sich die Art erholen wird. Aber sie zeigt, dass selbst ein Fisch, der lokal als ausgestorben galt, noch direkt vor unseren Augen versteckt sein kann und seine unsichtbare Signatur im Meer hinterlässt.