Die berühmten Berberaffen von Gibraltar haben eine neue Verdauungsstrategie entwickelt: Sie fressen absichtlich Schlamm. Dieses ungewöhnliche Verhalten, das Wissenschaftler beobachtet haben, scheint eine direkte Reaktion auf das Junkfood zu sein, das sie häufig von Besuchern des britischen Territoriums erhalten. Die Affen kurieren sich selbst mit Ton, um ihre vom Chips, Süßigkeiten und anderen verarbeiteten menschlichen Snacks verursachten Magenverstimmungen zu beruhigen.
### Eine durch Leckerbissen gestörte Ernährung
### Die Ton-Heilung
Seit Jahrzehnten ist die auf dem Felsen von Gibraltar lebende Affengruppe eine große Touristenattraktion. Ihre Präsenz ist so ikonisch, dass sie in lokale Legenden eingewoben ist – es heißt, die britische Herrschaft ende, wenn die Affen gehen. Diese kulturelle Bedeutung bedeutet, dass die Tiere sowohl geschützt als auch ständig in Kontakt mit Menschen sind. Das Problem entsteht durch gut gemeinte, aber falsche Interaktionen. Touristen füttern die Affen regelmäßig mit Dingen wie Schokolade, Chips und zuckerhaltigen Leckereien, Nahrungsmitteln, die weit von ihrer natürlichen Futtersuche nach Samen, Wurzeln und Insekten entfernt sind.
Forscher der University of Gibraltar dokumentierten das Schlammfress-Phänomen. Sie fanden heraus, dass die Affen gezielt Ton von den Klippen des Felsens suchen und verzehren. Analysen legen nahe, dass der Ton als natürliches Entgiftungsmittel wirkt. Seine feinen Partikel binden Giftstoffe und Bakterien und neutralisieren so möglicherweise die negativen Auswirkungen der fettigen, zuckerhaltigen Menschennahrung. Das Verhalten ist kein zufälliges Naschen, sondern ein gezielter Verzehr eines spezifischen Materials, was darauf hindeutet, dass die Primaten gelernt haben, den Ton mit Magen-Darm-Erleichterung zu verbinden.
Lokale Naturschützer und Behörden haben lange gegen das Füttern der Affen gekämpft und verweisen auf Gesundheitsrisiken und Verhaltensprobleme. Die Entdeckung dieser Geophagie, oder Erd-Esserei, liefert einen deutlichen physischen Beweis für den Tribut, den eine unnatürliche Ernährung von der Gruppe fordert. Es zeigt, dass die Makaken aktiv ein von Menschen verursachtes Gesundheitsproblem bewältigen. Dieses adaptive Verhalten unterstreicht eine komplexe Schnittstelle, an der Artenschutz auf Massentourismus trifft, und zeigt, wie Tiere physisch mit den anhaltenden Gaben unserer modernen Welt zurechtkommen.