Seegraswiesen bedecken weit mehr Meeresboden als Wissenschaftler je vermutet haben. Eine neue KI-gestützte Karte zeigt, dass die globale Ausdehnung dieser Unterwasserpflanzen bei etwa 4,8 Millionen Quadratkilometern liegt, einer Fläche größer als die gesamte Europäische Union.
Die Karte, die unser Wissen über den Meeresboden verändert
Forscher aus den USA und Australien trainierten ein maschinelles Lernmodell mit Millionen von Satellitenbildern und Feldbeobachtungen. Das Ergebnis ist die erste hochauflösende globale Karte der Seegrasverteilung, die je erstellt wurde. Frühere Schätzungen beruhten auf verstreuten Daten und Schätzungen. Diese neue Karte lokalisiert Seegrasfelder mit beispielloser Genauigkeit und enthüllt Wiesen an Orten, an denen bisher keine bekannt waren.
Warum Seegras wichtiger ist, als die meisten denken
Seegras ist nicht nur Unterwassergras. Es ist eines der stärksten natürlichen Werkzeuge des Planeten im Kampf gegen den Klimawandel. Diese Wiesen speichern Kohlenstoff bis zu 35 Mal schneller als tropische Regenwälder. Sie schützen auch Küsten vor Erosion, filtern Verschmutzung und bieten Lebensraum für Jungfische, darunter wirtschaftlich wichtige Arten. Lokale Fischereigemeinschaften in Ländern wie Indonesien, den Philippinen und Kenia sind für ihren Lebensunterhalt auf gesundes Seegras angewiesen.
Was die neuen Daten für den Naturschutz bedeuten
Die Karte wurde von einem Team unter der Leitung von Wissenschaftlern der University of California, Los Angeles und der University of Queensland erstellt. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature. Das Projekt erforderte jahrelange Rechenzeit und die Verarbeitung von über zwei Millionen Satellitenbildern. Das Team fand heraus, dass Seegras in Gewässern fast aller Kontinente vorkommt, aber ein Großteil davon mit traditionellen Methoden unkartiert bleibt. Die neuen Daten geben Regierungen und Naturschutzgruppen eine Grundlage, um Verluste zu überwachen und Schutzmaßnahmen gezielt einzusetzen. Seegras verschwindet weltweit mit einer Rate von etwa 7 Prozent pro Jahr, ein Rückgang, der durch Küstenentwicklung, Verschmutzung und Klimawandel verursacht wird.
Diese Karte löst das Problem des Seegrasverlusts nicht. Aber sie gibt Wissenschaftlern und Politikern etwas, das sie nie zuvor hatten: ein klares Bild davon, was auf dem Spiel steht.