Babys, die im ersten Lebensjahr mehr von einem häufigen Nervengift einatmen, neigen später eher zu Fettleibigkeit – nicht weil die Chemikalie direkt Fett ansetzt, sondern weil sie die Fähigkeit zur Impulskontrolle schädigen könnte. Das ist das Ergebnis einer erstmaligen, von Fachleuten geprüften Studie von Forschern des Mt Sinai in den USA.
Ein Nervengift, das Verhalten umprogrammiert
Der fragliche Schadstoff ist PM2,5, ein feiner Partikel, der klein genug ist, um in den Blutkreislauf zu gelangen und ins Gehirn überzutreten. Wissenschaftler wussten bereits, dass PM2,5 mit Fettleibigkeit zusammenhängt. Was sie bis jetzt nicht wussten, war warum. Das Mt Sinai Team identifizierte einen neuen Weg: Impulskontrolle. Babys, die im ersten Lebensjahr höheren PM2,5-Werten ausgesetzt waren, entwickelten später in der Kindheit größere Schwierigkeiten mit der Selbstregulation. Dieser Kontrollverlust, so die Forscher, scheint der Mechanismus zu sein, der zur Gewichtszunahme führt.
Was die Studie tatsächlich herausfand
Die Forschung begleitete eine Gruppe von Kindern vom Säuglingsalter bis zur frühen Kindheit, maß ihre Belastung mit PM2,5 und bewertete später ihre Fähigkeit, Belohnungen aufzuschieben und Impulse zu steuern. Diejenigen mit höherer früher Belastung zeigten durchweg schwächere Impulskontrolle. Die Studie behauptete nicht, dass Umweltverschmutzung direkt Fettleibigkeit verursacht. Stattdessen zeigte sie, dass die Wirkung auf das Gehirn zuerst kommt und die Wirkung auf das Gewicht folgt. Die Ergebnisse wurden in einer von Fachleuten geprüften Zeitschrift veröffentlicht und stellen nach Angaben der Forscher den ersten direkten Beleg für diesen Verhaltensweg dar.
Warum das in den Vereinigten Staaten wichtig ist
PM2,5 stammt aus Fahrzeugabgasen, Kraftwerken und Industrieemissionen. Es ist einer der am weitesten verbreiteten Luftschadstoffe in den Vereinigten Staaten, wo Millionen von Kindern in Gebieten mit Werten leben, die über dem liegen, was die Weltgesundheitsorganisation als sicher erachtet. Für lokale Gemeinschaften, insbesondere in der Nähe von Autobahnen oder Industriegebieten, fügt die Studie der Fettleibigkeitsdebatte eine neue Dimension hinzu. Sie legt nahe, dass die Reinigung der Luft mehr bewirken könnte, als die Lungen zu schützen. Sie könnte auch das sich entwickelnde Gehirn schützen und dadurch helfen, das Körpergewicht zu regulieren.
Eine abschließende Anmerkung zur Forschung
Die Mt Sinai Studie beweist nicht, dass jedes Kind, das PM2,5 ausgesetzt ist, Impulsprobleme oder Fettleibigkeit entwickelt. Sie identifiziert einen statistischen Zusammenhang und einen plausiblen biologischen Mechanismus. Die Forscher fordern weitere Studien, um den Weg zu bestätigen und zu untersuchen, ob eine Verringerung der Belastung im frühen Leben die Auswirkungen umkehren oder verhindern kann. Vorerst bietet die Arbeit einen klaren, evidenzbasierten Grund, genauer darauf zu achten, was Babys einatmen.