Ein neuer Eiskern aus einem tropischen Gletscher in Peru zwingt Wissenschaftler dazu, die Geschichte des atmosphärischen Methans zu überdenken. Der im Fachjournal Nature veröffentlichte Datensatz zeigt, dass die Methanwerte in den Tropen in der Vergangenheit weit höher lagen als bisher angenommen, was darauf hindeutet, dass die aktuellen globalen Schätzungen möglicherweise ein wichtiges Puzzleteil übersehen.
Ein gefrorenes Archiv aus den Anden
Forscher entnahmen den Eiskern aus einem hochgelegenen Gletscher in den peruanischen Anden, einer Region, in der Eisbildung selten und schwer zugänglich ist. Der Kern enthält eingeschlossene Luftblasen, die Proben der Atmosphäre aus den letzten 1.000 Jahren bewahren. Durch die Analyse des Gases in diesen Blasen rekonstruierte das Team eine kontinuierliche Aufzeichnung der Methankonzentrationen, eines starken Treibhausgases.
Die Wissenschaftler unter der Leitung von Kara A. Lamantia und Lonnie G. Thompson fanden heraus, dass die Methanwerte in der tropischen Atmosphäre durchweg höher waren als die in polaren Eiskernen aus denselben Zeiträumen. Diese Diskrepanz ist bedeutsam, da polare Kerne lange Zeit als Standardreferenz für globale Methantrends galten. Die neuen Daten legen nahe, dass tropische Quellen wie Feuchtgebiete und Brände eine viel größere Rolle im Methankreislauf gespielt haben könnten als bisher anerkannt.
Warum die Tropen wichtig sind
Lokale Forscher und Gemeinden in Peru wissen seit langem, dass die Gletscher für die Wasserversorgung lebenswichtig sind, aber das Eis birgt auch Hinweise auf das globale Klima. Der Gletscher liegt in den Tropen, einer Region, die sowohl eine große Quelle als auch eine große Senke für Methan ist. Tropische Feuchtgebiete produzieren beispielsweise auf natürliche Weise große Mengen Methan, während die atmosphärische Chemie in den Tropen es zerstören kann. Die neue Aufzeichnung zeigt, dass diese Prozesse über Jahrhunderte hinweg erheblich variiert haben, wahrscheinlich als Reaktion auf Veränderungen bei Temperatur und Niederschlag.
Die Ergebnisse sind wichtig für Klimamodelle, die auf genaue historische Daten angewiesen sind, um zukünftige Veränderungen vorherzusagen. Wenn die tropischen Methanemissionen in der Vergangenheit höher waren, müssen Modelle möglicherweise ihre Annahmen darüber anpassen, wie empfindlich diese Quellen auf Klimaveränderungen reagieren. Die Studie unterstreicht auch den Wert tropischer Eiskerne, die verschwinden, während sich die Gletscher aufgrund der Erwärmung zurückziehen.
Ein neues Fenster in die Vergangenheit
Der peruanische Eiskern ist einer der wenigen tropischen Aufzeichnungen dieser Art und bietet einen seltenen Einblick in eine Region, die in der Klimaforschung oft unterrepräsentiert ist. Das Team verglich seine Daten mit bestehenden Aufzeichnungen aus Grönland und der Antarktis und zeigte, dass die Tropen nicht immer denselben Trends folgen wie die Pole. Dies deutet darauf hin, dass Methanemissionen nicht global einheitlich sind und regionale Unterschiede eine Rolle spielen.
Die Studie beantwortet nicht alle Fragen zur Geschichte des Methans, eröffnet aber einen neuen Forschungsweg. Da die tropischen Gletscher weiter schmelzen, schrumpft die Möglichkeit, solche Kerne zu sammeln. Die Forscher fordern, mehr Anstrengungen zu unternehmen, um diese natürlichen Archive zu bewahren, bevor sie verloren gehen.
Im weiteren Kontext der Klimawissenschaft unterstreicht diese Arbeit die Komplexität des Methankreislaufs. Sie zeigt, dass selbst gut untersuchte Gase Überraschungen bereithalten können, wenn man sie aus einer neuen Perspektive betrachtet. Die tropische Eiskernaufzeichnung ist eine Erinnerung daran, dass die Erdatmosphäre eine dynamische und vielfältige Vergangenheit hat und dass ihr Verständnis einen Blick über die Pole hinaus erfordert.