Bio Eier, oft als Goldstandard für ethischen Konsum angesehen, könnten tatsächlich schlechter fürs Klima sein als Eier von Hühnern aus Käfighaltung. Eine neue Studie aus dem Vereinigten Königreich hat ergeben, dass freilaufende Bio Hennen pro Ei deutlich mehr Kohlenstoffemissionen verursachen als ihre Artgenossen in Käfigen.
Die Forschung, durchgeführt von einem Team der University of Cambridge und veröffentlicht in der Fachzeitschrift Environmental Science and Technology, verglich den CO2 Fußabdruck von Eiern aus verschiedenen Haltungssystemen. Die Wissenschaftler verfolgten die Emissionen über die gesamte Produktionskette, von der Futterproduktion bis zum Mistmanagement.
Warum Bio Hennen einen größeren CO2 Hufabdruck haben
Der entscheidende Unterschied liegt im Futter. Bio Hennen fressen mehr, weil sie aktiver sind und mehr Energie benötigen, um sich bei Außenbedingungen warm zu halten. Sie wachsen auch langsamer und legen im Laufe ihres Lebens weniger Eier. Das bedeutet, dass jedes Bio Ei mehr Futter zur Produktion benötigt, und die Futterproduktion ist die größte Emissionsquelle in der Eierhaltung.
Hennen in Käfighaltung werden dagegen drinnen in streng kontrollierten Umgebungen gehalten. Sie bewegen sich weniger, fressen weniger und legen mehr Eier. Die Studie ergab, dass Bio Eier etwa 20 Prozent mehr Treibhausgasemissionen pro Ei verursachen als Eier aus Käfighaltung. Auch Freilandeier, die nicht bio sind, hatten einen höheren CO2 Fußabdruck als Käfigeier, aber nicht so hoch wie Bio Eier.
Was das für Käufer und Bauern bedeutet
Die Ergebnisse haben in Großbritannien eine Debatte ausgelöst, wo die Verkaufszahlen von Bio Eiern stetig gestiegen sind, während Verbraucher versuchen, umweltbewusste Entscheidungen zu treffen. Viele Käufer zahlen einen Aufpreis für Bio Eier in der Annahme, sie seien besser für den Planeten. Die Studie stellt diese Annahme direkt in Frage.
Lokale Bauern und Lebensmittelaktivisten haben mit gemischten Gefühlen reagiert. Einige argumentieren, dass die Studie andere Umweltvorteile von Bio Systemen ignoriert, wie bessere Bodengesundheit und Biodiversität. Andere sagen, sie hebt einen schwierigen Kompromiss zwischen Tierwohl und Klimazielen hervor. Bio Hennen leben länger und haben mehr Platz zum Herumlaufen, aber das hat einen messbaren Klimapreis.
Die Forscher betonen, dass ihre Arbeit kein Argument dafür ist, Hennen in Käfigen zu halten. Sie weisen darauf hin, dass alle Eier im Vergleich zu anderen tierischen Proteinen wie Rind oder Lamm einen relativ niedrigen CO2 Fußabdruck haben. Die Studie zielt einfach darauf ab, Verbrauchern ein klareres Bild der Klimaauswirkungen ihrer Entscheidungen zu geben.
Letztendlich beinhaltet die Entscheidung, welche Eier man kauft, das Abwägen mehrerer Werte: Tierwohl, Umweltauswirkungen und Kosten. Die Studie fügt dieser Berechnung eine neue Ebene hinzu und zeigt, dass eine scheinbar einfache grüne Wahl versteckte Klimakonsequenzen haben kann.