Jahrzehntelang gingen Archäologen davon aus, dass die schwarzen Pigmente in der französischen Font-de-Gaume-Höhle nur aus Mineralien bestanden, was eine Datierung unmöglich machte. Doch Wissenschaftler haben nun Holzkohle entdeckt, die in diesen Pigmenten versteckt war, und enthüllt, dass eine Bisonmalerei etwa 13.000 Jahre alt ist und dass eine maskenartige Figur in mehreren, durch Tausende von Jahren getrennten Phasen entstanden ist.
Holzkohle gefunden, wo keine erwartet wurde
Font-de-Gaume liegt nahe Les Eyzies in der Dordogne im Südwesten Frankreichs. Es ist eine der berühmtesten verzierten Höhlen Europas, neben Lascaux. Doch anders als bei Lascaux war das Alter der Malereien nie direkt gemessen worden. Forscher glaubten, die schwarzen Bilder bestünden aus Eisen- und Manganoxiden, Mineralien, die keinen Kohlenstoff enthalten und daher nicht mit Radiokarbonmethoden datiert werden können. Diese Annahme erwies sich als falsch.
Ein Team unter der Leitung von Wissenschaftlern des CNRS analysierte zwei schwarze Figuren: einen Bison und eine maskenartige Form. Sie nutzten Raman-Mikrospektrometrie, die Materialien identifiziert, indem sie misst, wie Moleküle vibrieren, wenn sie mit Licht getroffen werden, und hyperspektrale Bildgebung, die subtile Farbunterschiede in einem Bild aufzeichnet. Beide Techniken entdeckten Holzkohle, die in das schwarze Pigment gemischt war. Die Holzkohle war gleichmäßig in den gemalten Linien verteilt, nicht nur an isolierten Stellen.
Zwei Malereien, sehr unterschiedliche Zeitlinien
Da Holzkohle aus verbranntem organischem Material besteht, enthält sie Kohlenstoff-14, das radioaktive Isotop, das mit einer bekannten Rate zerfällt. Das ermöglichte es dem Team, die Malereien erstmals radiokarbon zu datieren. Der Bison wurde vor etwa 13.000 Jahren gemalt. Die maskenartige Figur erzählte eine kompliziertere Geschichte. Verschiedene Abschnitte dieses Bildes wurden in mehreren weit auseinanderliegenden Zeiträumen hinzugefügt, was bedeutet, dass Menschen über lange Zeiträume hinweg in die Höhle zurückkehrten, um das Kunstwerk zu verändern oder zu ergänzen.
Einheimische und Archäologen in der Dordogne kennen Font-de-Gaume seit langem als einen Schatz prähistorischer Kunst, aber sein genauer Platz in der Geschichte war unklar. Die neuen Daten geben ihnen einen festeren Zeitrahmen. Sie öffnen auch eine Tür für die Untersuchung anderer Höhlen, in denen schwarze Pigmente als mineralisch angenommen wurden. Die hier verwendeten Methoden könnten helfen zu rekonstruieren, wann Menschen verzierte Höhlen betraten, wann sie Malereien anfertigten und wann sie zurückkamen, um sie zu verändern.
Eine Methode, die die Höhlenkunstforschung verändern könnte
Die Entdeckung ist wichtig, weil sie ein Problem löst, das die direkte Datierung vieler schwarzer Malereien in ganz Europa blockiert hatte. Mineralische Pigmente können nicht radiokarbon datiert werden, Holzkohle jedoch schon. Jetzt, da Wissenschaftler wissen, dass Holzkohle in diesen Pigmenten versteckt sein kann, haben sie eine Möglichkeit, Kunstwerke zu datieren, die zuvor als undatierbar galten. Die Ergebnisse stammen aus einer vom CNRS, der französischen nationalen Forschungsagentur, veröffentlichten Studie und stützen sich auf Techniken, die bereits in der Kulturerbearbeitung, der biomedizinischen Wissenschaft und sogar der Astrophysik eingesetzt werden. Für die Region Dordogne fügen die Ergebnisse ein präzises Kapitel zur Geschichte ihrer alten Höhlen hinzu.