Libyen hat das Trachom, eine uralte bakterielle Infektion und weltweit häufigste infektiöse Ursache für Erblindung, offiziell eliminiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat diesen Meilenstein bestätigt – ein großer Sieg für die öffentliche Gesundheit des nordafrikanischen Landes.
## Eine jahrzehntelange Gesundheitskampagne
## Der letzte Anlauf zur Null
Das Trachom, verursacht durch das Bakterium *Chlamydia trachomatis*, verbreitet sich durch persönlichen Kontakt und durch Fliegen, die von Ausscheidungen aus Augen oder Nase angezogen werden. Wiederholte Infektionen führen dazu, dass sich das Augenlid nach innen dreht – die Wimpern reiben dann am Augapfel. Dieser schmerzhafte Zustand, Trichiasis genannt, führt unbehandelt zu irreversibler Erblindung. Über Generationen war dieses vermeidbare Leiden eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit in ganz Libyen.
Die nationale Anstrengung zur Bekämpfung der Krankheit begann ernsthaft in den 1990er Jahren. Die Gesundheitsbehörden setzten die von der WHO empfohlene SAFE-Strategie um, einen umfassenden öffentlichen Gesundheitsplan. Dazu gehörten: Chirurgische Eingriffe (Surgery) zur Behandlung des fortgeschrittenen, erblindenden Stadiums, Antibiotika (Antibiotics) zur Behandlung der Infektion, Gesichtshygiene (Facial cleanliness) zur Reduzierung der Übertragung und Umweltverbesserungen (Environmental improvements), insbesondere Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen, um den Infektionskreislauf zu durchbrechen. Die Strategie erforderte anhaltende Anstrengungen im gesamten Gesundheitssystem des Landes.
Lokale Gemeinschaften waren zentral für den Erfolg der Kampagne. Die Validierung durch die WHO bedeutet, dass Libyen die wichtigsten Eliminierungsziele erreicht hat. Die Prävalenz des erblindenden Trachom-Stadiums, der Trichiasis, wurde landesweit bei Erwachsenen ab 15 Jahren auf unter 0,2 % gesenkt. Zudem ist die Prävalenz der aktiven, ansteckenden Form der Krankheit bei Kindern im Alter von 1–9 Jahren auf unter 5 % gefallen. Diese Schwellenwerte bedeuten, dass das Trachom kein Problem der öffentlichen Gesundheit mehr darstellt, auch wenn die Überwachung fortgesetzt werden muss.
Mit diesem Erfolg ist Libyen das fünfte Land in der östlichen Mittelmeerregion der WHO, das das Trachom als Problem der öffentlichen Gesundheit eliminiert hat. Es zeigt, dass auch angesichts komplexer nationaler Herausforderungen gezielte Maßnahmen im Gesundheitswesen transformative Ergebnisse erzielen können. Die Validierung nimmt einer Nation die Last einer Krankheit, die die Menschheit seit Jahrtausenden plagt, und schützt künftige Generationen vor vermeidbarer Erblindung.