Zum Inhalt springen

Tiefseebergbau bedroht 60 Prozent der Quellenschnecken mit Aussterben

Mehr als 60 Prozent aller bekannten Molluskenarten, die in der Umgebung von Tiefsee-Hydrothermalquellen leben, sind laut einer neuen globalen Bewertung vom Aussterben bedroht. Die Internationale Union zur Bewahrung der Natur...

Mehr als 60 Prozent aller bekannten Molluskenarten, die in der Umgebung von Tiefsee-Hydrothermalquellen leben, sind laut einer neuen globalen Bewertung vom Aussterben bedroht. Die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) hat den Tiefseebergbau als die größte Bedrohung für diese Tiere identifiziert, von denen viele von der Wissenschaft noch nie formal beschrieben wurden. Die im Juli 2026 veröffentlichten Ergebnisse sind die erste umfassende Analyse des Aussterberisikos für quellenbewohnende Mollusken in den Weltmeeren.

Eine verborgene Welt unter Druck

Hydrothermalquellen sind Spalten am Meeresboden, die überhitztes, mineralreiches Wasser freisetzen. Sie beherbergen einzigartige Lebensgemeinschaften, darunter Schnecken, Napfschnecken und Muscheln, die sich an extremen Druck, Dunkelheit und toxische Chemie angepasst haben. Die IUCN bewertete 184 Arten von quellenassoziierten Mollusken und stellte fest, dass 63 Prozent vom Aussterben bedroht sind. Weitere 11 Prozent sind potenziell gefährdet. Nur 15 Arten wurden als nicht gefährdet eingestuft. Der Rest hatte nicht genügend Daten für eine Einstufung.

Bergbau rückt vor, bevor die Wissenschaft aufholt

Die Bewertung umfasste Quellenfelder im Atlantik, Indischen und Pazifischen Ozean. Die Forscher fanden heraus, dass der Tiefseebergbau nach polymetallischen Knollen und massiven Sulfiden am Meeresboden eine direkte und unmittelbare Gefahr darstellt. Bergbauarbeiten können die Lebensräume der Quellen zerstören, bevor Wissenschaftler die dort lebenden Arten überhaupt identifiziert haben. Viele Quellenmollusken leben in sehr kleinen geografischen Gebieten, manchmal nur auf einem einzigen Quellenfeld. Das macht sie besonders anfällig für lokale Störungen. Die IUCN stellte fest, dass noch kein kommerzieller Tiefseebergbau begonnen hat, aber Explorationslizenzen und technologische Entwicklungen schreiten schnell voran.

Lokale Gemeinschaften und Naturschutzgruppen haben Alarm geschlagen, weil diese Arten eine Schlüsselrolle in den Tiefseeökosystemen spielen. Quellenmollusken filtern Wasser, recyceln Nährstoffe und dienen anderen Tieren wie Krabben, Fischen und Kraken als Nahrung. Ihr Verlust könnte sich durch das gesamte Nahrungsnetz ziehen. Die Bewertung hob auch hervor, dass viele Quellenarten endemisch sind, das heißt, sie kommen nirgendwo sonst auf der Erde vor. Wenn ein Quellenfeld abgebaut wird, könnten ganze Arten verschwinden, bevor sie überhaupt benannt sind.

Der IUCN-Bericht unterstreicht eine harte Realität: Der Drang, Mineralien aus der Tiefsee zu gewinnen, beschleunigt sich schneller als das wissenschaftliche Verständnis dessen, was dort lebt. Für Quellenmollusken könnte sich das Fenster, sie zu studieren und zu schützen, schließen.

Quelle: Mongabay

Tägliche Zusammenfassung

Die 5 interessantesten Geschichten, jeden Morgen. Kostenlos.