Hongkong bekommt bald seinen ersten Astronauten. Lai Ka-ying, eine Nutzlastspezialistin aus der Stadt, wurde für eine Mission zur chinesischen Raumstation Tiangong ausgewählt.
Eine Polizistin wird Raumfahrerin
Lai Ka-ying ist keine Berufsastronautin. Sie arbeitet als Polizistin in Hongkong. Ihre Auswahl erfolgte im Rahmen einer nationalen Rekrutierungskampagne, die etwa 100 Kandidaten aus der Stadt anzog. Sie war eine von zwei Nutzlastspezialisten, die aus dem größeren Pool von Hongkong und Macau ausgewählt wurden. Der andere Kandidat, ebenfalls aus Hongkong, wird als Ersatz dienen.
Nutzlastspezialisten sind keine Piloten. Sie sind Experten, die wissenschaftliche Geräte bedienen und Experimente an Bord des Raumfahrzeugs durchführen. Lais Hintergrund in der Polizeiarbeit und ihre körperliche Fitness halfen ihr, das strenge Auswahlverfahren zu bestehen, das medizinische Checks, psychologische Bewertungen und Tests ihrer Fähigkeit, extreme Umgebungen zu bewältigen, umfasste.
Warum Hongkong diese Mission wichtig ist
Hongkong hat noch nie einen eigenen Bewohner ins All geschickt. Die Beteiligung der Stadt am bemannten Raumfahrtprogramm Chinas markiert ein neues Kapitel für ihre wissenschaftliche Gemeinschaft. Lokale Universitäten und Forschungsinstitute haben lange zu raumfahrtbezogenen Projekten beigetragen, aber einen Hongkonger Astronauten an Bord zu haben, schafft eine direkte menschliche Verbindung zu diesen Bemühungen.
Die Auswahl spiegelt auch einen breiteren Vorstoß Chinas wider, Hongkong tiefer in nationale Wissenschafts- und Technologieinitiativen einzubinden. Für viele in der Stadt stellt Lais Reise eine greifbare Verbindung zwischen Hongkong und Chinas Ambitionen jenseits der Erde dar.
Was als Nächstes passiert
Lai wird nun im chinesischen Astronautenzentrum in Peking ausgebildet. Die Ausbildung wird voraussichtlich etwa zwei Jahre dauern. Sie wird lernen, das Raumschiff Shenzhou zu bedienen, in der Raumstation Tiangong zu arbeiten und Experimente in Schwerelosigkeit durchzuführen. Ihre spezifische Mission wurde noch nicht bekannt gegeben, aber sie wird voraussichtlich innerhalb der nächsten Jahre zur Station fliegen.
Chinas Raumstation Tiangong ist seit Ende 2022 voll einsatzfähig. Sie umkreist die Erde in etwa 400 Kilometern Höhe und beherbergt rotierende Besatzungen von drei Astronauten für Monate. Lai wird einer kleinen und wachsenden Gruppe chinesischer Astronauten beitreten, von denen viele aus militärischen Luftfahrtberufen kommen. Ihre Auswahl als Nutzlastspezialistin aus einem nicht-wissenschaftlichen, nicht-militärischen Beruf ist ungewöhnlich und bemerkenswert.
Für Hongkong ist das Warten auf einen lokalen Astronauten vorbei. Lai Ka-ying wird den Namen der Stadt in den Orbit tragen.