Zukünftige Astronauten, die auf dem Mond laufen, könnten auf Gestein treten, das aus seinem Inneren stammt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ein gewaltiger uralter Einschlag Stücke des Mondmantels über die Oberfläche in der Nähe geplanter Artemis-Landeplätze verstreut hat.
Ein flacher Einschlag, der die Rückseite des Mondes umformte
Das South Pole-Aitken Becken liegt auf der Rückseite des Mondes. Es ist der größte und älteste bekannte Einschlagkrater auf dem Mond und eine der ältesten erhaltenen Strukturen im Sonnensystem. Forscher des Center for Lunar Origin and Evolution, einer virtuellen NASA-Organisation unter der Leitung des Southwest Research Institute, nutzten fortschrittliche Computersimulationen, um den Einschlag nachzubilden, der dieses Becken formte. Ihre Ergebnisse zeigen, dass ein großes Objekt mit Eisenkern von Norden kam und den Mond in einem flachen Winkel traf. Dieser flache Einschlag erklärt, warum das Becken eine längliche, verjüngte Form hat. Die Wucht des Einschlags war so groß, dass sie Material aus dem tiefen Inneren des Mondes herausschleuderte, darunter Gestein aus dem Mondmantel.
Wo Astronauten dieses tiefe Mondgestein finden könnten
Zwei begleitende Studien beschreiben, wo dieses Mantelmaterial gelandet ist. Die Simulationen deuten darauf hin, dass Gestein aus dem tiefen Inneren des Mondes in der Region um das South Pole-Aitken Becken verstreut ist. Vorgeschlagene Landeplätze für die bevorstehenden NASA-Artemis-Missionen in der Nähe des Mondsüdpols liegen in diesem Gebiet. Das bedeutet, dass Astronauten dieses Gestein sammeln und untersuchen könnten, ohne weit von ihren Landezonen reisen zu müssen. Das Material bietet ein seltenes Fenster in das Innere des Mondes und seine früheste Geschichte. Dr. William Bottke, Direktor des Center for Lunar Origin and Evolution und Mitautor der Studien, sagte, das Becken gebe Wissenschaftlern eine seltene Gelegenheit, die früheste Geschichte des Mondes zu untersuchen. Der Einschlag traf mit solcher Wucht, dass er Teile des Mondmantels freigelegt haben könnte.
Warum dies für das Verständnis der Mondvergangenheit wichtig ist
Für lokale Forscher und die breitere wissenschaftliche Gemeinschaft ist die Entdeckung bedeutsam, weil der Mondmantel normalerweise tief unter der Kruste vergraben ist. Direkte Proben davon wurden nie gesammelt. Wenn Artemis-Astronauten dieses Gestein bergen können, könnten Wissenschaftler es analysieren, um mehr über die Zusammensetzung des Mondes, seine innere Struktur und seine Entstehung zu erfahren. Das South Pole-Aitken Becken selbst ist ein einzigartiges Zeugnis des frühen Sonnensystems. Das Verständnis seiner Entstehung hilft Wissenschaftlern, die gewaltsame Geschichte der Einschläge zu rekonstruieren, die den Mond und andere Gesteinskörper formten. Die Ergebnisse stammen von Daten der NASA-Mission GRAIL und des Lunar Reconnaissance Orbiter Laser Altimeter, kombiniert mit den neuen Computermodellen.
Die Studien garantieren nicht, dass Astronauten Mantelgestein finden werden, aber sie identifizieren vielversprechende Orte. Der nächste Schritt ist, dass Missionsplaner diese Gebiete bei der Auswahl präziser Landeplätze berücksichtigen. Wenn das Gestein dort ist, werden zukünftige Entdecker eine direkte Verbindung zum verborgenen Inneren des Mondes haben.