Astronomen haben ein echtes Zuckermolekül in der kalten Leere zwischen den Sternen entdeckt. Zum ersten Mal wurde ein Vier-Kohlenstoff-Zucker im interstellaren Raum nachgewiesen, was bestätigt, dass komplexe organische Verbindungen weit weg von jedem Planeten entstehen können.
Die Entdeckung gelang einem Team, das mit Radioteleskopen eine dichte Wolke aus Gas und Staub in unserer Galaxie scannte. Das Molekül, eine Zuckerart namens Tetrose, wurde anhand seiner einzigartigen spektralen Signatur identifiziert. Echte Zucker sind dadurch definiert, dass sie eine bestimmte Kettenstruktur von Kohlenstoffatomen haben, und dieser enthält vier davon.
Ein süßes Signal aus einer Sternentstehungsregion
Der Nachweis erfolgte in einer Region namens G+0.693-0.027, einer Molekülwolke nahe dem Zentrum der Milchstraße. Diese Wolke ist eine geschäftige Sternenwiege, in der neue Sterne und Planeten geboren werden. Die Forscher nutzten das 40-Meter-Radioteleskop Yebes in Spanien und das 30-Meter-Teleskop IRAM in Frankreich, um die schwachen Radiowellen des Moleküls aufzufangen.
Der leitende Wissenschaftler Dr. Victor M. Rivilla vom italienischen Nationalinstitut für Astrophysik erklärte, dass es sich bei dem Molekül um Glykolaldehyd handelt, den einfachsten der echten Zucker. Während einfachere zuckerähnliche Moleküle bereits gefunden wurden, ist dies das erste Mal, dass ein Zucker mit der vollständigen Vier-Kohlenstoff-Kette im Weltraum bestätigt wurde.
Warum lokale Astronomen und Chemiker aufmerksam wurden
Für Wissenschaftler, die erforschen, wie Leben entstehen könnte, ist das eine große Sache. Zucker sind für das Leben auf der Erde essenziell. Sie bilden das Rückgrat von RNA und DNA, den Molekülen, die genetische Informationen tragen. Einen echten Zucker im Weltraum zu finden, deutet darauf hin, dass die Rohstoffe für Leben in der gesamten Galaxie weit verbreitet sein könnten.
Das Team berechnete, dass die Menge an Glykolaldehyd in der Wolke überraschend hoch ist. Auf jede Million Wasserstoffmoleküle kommen etwa zehn Zuckermoleküle. Das reicht aus, um neugeborene Planeten potenziell mit den Bausteinen für komplexere Chemie zu versorgen.
Was das für die Suche nach Leben anderswo bedeutet
Diese Entdeckung untermauert die Idee, dass die grundlegende Chemie des Lebens möglicherweise nicht selten ist. Wenn Zucker auf natürliche Weise in den kalten, rauen Bedingungen des interstellaren Raums entstehen können, könnten sie durch Kometen oder Meteoriten auf Planeten gelangen. Der Fund hilft auch zu erklären, wie die ersten Zucker auf der frühen Erde auftauchten, bevor Leben entstand.
Die Forschung wurde in der Fachzeitschrift Nature Astronomy veröffentlicht. Das Team plant, in anderen Sternentstehungsregionen nach noch größeren Zuckermolekülen zu suchen, um herauszufinden, wie verbreitet diese Verbindungen wirklich sind.