Europas Schwerlastrakete Ariane 6 hat gerade mehr Masse in den Orbit gebracht als jeder europäische Träger zuvor. Der Rekord gelang bei einem Flug, der auch ein neues, leistungsstärkeres Boosterdesign mit 14 zusätzlichen Tonnen Treibstoff pro Einheit einführte.
Ein Start, der mehr hob als je zuvor
Am 17. Juni um 09:21 Uhr Ortszeit hob der Flug VA269 der Ariane 6 vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana ab. Die Rakete brachte 36 Satelliten für die LEO-Konstellation von Amazon knapp über eine Stunde nach dem Start in den Orbit. Diese Satellitenanzahl ist vier mehr als bei den beiden vorherigen LEO-Missionen der Ariane 6. Der bisherige europäische Nutzlastrekord gehörte einer Ariane-5-Mission im Jahr 2013, die das 20 Tonnen schwere Versorgungsmodul ATV Albert Einstein der ESA zur Internationalen Raumstation brachte.
Neue Booster, die die Leistung der Rakete veränderten
Dieser Flug markierte den ersten Einsatz von vier Boostern auf Basis des Feststofftriebwerks P160C. Jeder P160C fasst 156 Tonnen Treibstoff und ist 14,5 Meter hoch, einen Meter höher als der frühere P120C. Die zusätzliche Höhe ändert nichts an der Verbindung des Boosters mit dem zentralen Kern der Rakete oder der Gesamthöhe der Boosteranordnung. Die P160C-Booster können die Leistung der Ariane 6 je nach Zielorbit um 10 bis 15 Prozent steigern. Die gleiche Triebwerkstechnologie wird mit der kleineren Vega-C-Rakete der ESA geteilt, was die Kosten senkt und die Lieferkette für beide Fahrzeuge verbessert.
Warum das für Europas Weltraumambitionen wichtig ist
ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher sagte, der Start beweise, dass die Ariane 6 alle Arten von Missionen in alle Orbits liefern könne, was Europa mehr Vertrauen in seinen autonomen Zugang zum Weltraum gebe. Er merkte an, dass die Rakete als modulare Trägerrakete konzipiert wurde und nun in nur zwei Jahren in drei verschiedenen Versionen geflogen sei. ESA-Direktorin für Raumtransport Géraldine Naja nannte es den leistungsstärksten Start in der europäischen Geschichte und eine Demonstration europäischer Ingenieurskunst. Die Mission war der achte erfolgreiche Einschub in Folge für die Ariane 6. Die Rakete hob nur sechs Monate nach dem ersten Flug der Vier-Booster-Version der Ariane 6 ab.