Am 15. Juni 2026 um 15:24 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit erlosch im All ein schwaches blaues Leuchten für immer. Dieses Leuchten stammte von ionisiertem Xenongas, das aus BepiColombos solarelektrischen Triebwerken strömte – einem Antriebssystem, das die Raumsonde fast acht Jahre lang durch das innere Sonnensystem geschoben hatte. Mit dem letzten Schubmanöver beendete die Mission der Europäischen Weltraumorganisation und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA ihre lange Reisephase und begann mit der Ankunft am innersten Planeten des Sonnensystems, dem Merkur.
Acht Jahre, neun Vorbeiflüge, ein Triebwerk
BepiColombo startete im Oktober 2018 von der Erde. Um den Merkur zu erreichen, brauchte die Sonde einen ungewöhnlich effizienten Antrieb. Herkömmliche chemische Raketen verbrennen schnell viel Treibstoff, aber BepiColombo nutzte solarelektrischen Antrieb (SEP). Das System, das im Mercury Transfer Module eingebaut war, enthielt vier QinetiQ T6-Triebwerke. Diese Triebwerke nutzten Strom aus den Solarpaneelen der Sonde, um Xenongas zu ionisieren und in Plasma zu verwandeln. Dieses Plasma wurde dann beschleunigt und mit sehr hoher Geschwindigkeit ausgestoßen. Das Ergebnis war ein sanfter, aber ständiger Schub, der weit weniger Treibstoff benötigte als chemische Alternativen. Die Triebwerke konnten ihre Leistung je nach Sonnenlichteinfall auf die Solarpaneele anpassen. Diese Flexibilität ermöglichte es BepiColombo, eine der komplexesten interplanetaren Reisen aller Zeiten zu absolvieren. Während der Reise führte die Sonde neun planetare Vorbeiflüge durch: einen an der Erde, zwei an der Venus und sechs am Merkur selbst.
Eine letzte Abschaltung in Darmstadt
Am Morgen der Abschaltung traf sich der leitende SEP-Triebwerksingenieur Neil Wallace mit dem Missionsteam und Industriepartnern im Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) der ESA in Darmstadt. Sie besprachen die gewonnenen Erkenntnisse aus dem SEP-System, ein Schritt, der helfen soll, künftige Missionen mit ähnlicher Technologie zu entwerfen. Die Befehle zum Abschalten der Triebwerke waren bereits lange im Voraus von der Erde gesendet worden. Sie waren so getimt, dass die Triebwerke genau im richtigen Moment während des letzten Schubmanövers stoppten. Zum geplanten Nachmittagszeitpunkt erlosch das blaue Leuchten.
Was als Nächstes für BepiColombo kommt
Da der elektrische Antrieb nun dauerhaft abgeschaltet ist, hat BepiColombo keine Schubquelle mehr. Es wird einer ballistischen, also freifallenden, Flugbahn zum Merkur folgen. Das nächste große Ereignis ist die Abtrennung des Mercury Transfer Module am 3. September 2026. Nachdem dieses Modul abgestoßen wurde, wird der verbleibende Sondenverbund, bestehend aus dem Mercury Planetary Orbiter und dem Mio-Orbiter, auf das chemische Antriebssystem des MPO angewiesen sein, um seine Bahn zu korrigieren und in eine Umlaufbahn um den Merkur einzuschwenken. Die Menschen vor Ort in Darmstadt und in der gesamten europäischen Raumfahrtgemeinschaft war dieser Moment wichtig, weil er das Ende einer langen, anspruchsvollen Ingenieursleistung und den Beginn der primären Wissenschaftsphase der Mission markierte. Das Team versammelte sich im ESOC, um das Ende eines Kapitels und den Beginn eines neuen zu erleben.