Sechs weibliche Grüne Meeresschildkröten schwammen mehr als 1.600 Kilometer über den Indischen Ozean, nur mit dem Erdmagnetfeld als Orientierung. Forscher verfolgten sie etwa einen Monat lang auf ihrer Reise nach Westen, und die Daten zeigen, dass die Schildkröten ohne visuelle Orientierungspunkte einen stabilen Kurs hielten.
Satellitensender, deren Bau fünf Jahre dauerte
Wissenschaftler aus Australien brachten sechs Grünen Meeresschildkröten maßgeschneiderte Satellitensender an. Die Sender benötigten fünf Jahre Entwicklungszeit und konnten den Kompasskurs der Schildkröte auf 10 Grad genau und ihren Standort auf 100 Meter genau messen. Die Geräte zeichneten sowohl auf, wohin die Schildkröten schwammen, als auch, in welche Richtung sie zu jedem Zeitpunkt blickten. Die Tiere wurden verfolgt, während sie über offenes Meer wanderten, weit weg von jeder Küste oder Insel, die als visueller Hinweis dienen könnte.
Ein rein beobachtender Test einer alten Idee
Frühere Experimente hatten nahegelegt, dass Meeresschildkröten das Erdmagnetfeld zur Navigation nutzen, aber diese Studien fanden unter kontrollierten Bedingungen statt. Diese in Science Advances veröffentlichte Studie war rein beobachtend. Die Forscher griffen nicht in das Verhalten der Schildkröten ein. Sie beobachteten lediglich, wohin die Tiere schwammen, und verglichen ihre Kurse mit dem lokalen Magnetfeld. Die Schildkröten hielten konstante Kompassrichtungen ein, selbst wenn Meeresströmungen sie vom Kurs abbrachten, und korrigierten ihre Wege dabei. Die Studie fand im Indischen Ozean statt, und die Schildkröten legten in etwa einem Monat mehr als 1.600 Kilometer zurück.
Einheimische in Australien und in der gesamten Region des Indischen Ozeans wissen seit langem, dass Meeresschildkröten unglaubliche Wanderungen unternehmen. Aber genau zu verstehen, wie sie das tun, ist für den Artenschutz wichtig. Wenn Schildkröten auf magnetische Hinweise angewiesen sind, könnten Veränderungen der magnetischen Umgebung oder Hindernisse, die ihre Wahrnehmung stören, ihre Fähigkeit gefährden, Futtergründe und Niststrände zu erreichen. Die Studie liefert den bislang stärksten Beweis dafür, dass diese Tiere navigieren, indem sie das Magnetfeld des Planeten in Echtzeit lesen, nicht indem sie Küstenlinien folgen oder nur ihr Gedächtnis nutzen.