Ein Pestizid, das derzeit in der gesamten Europäischen Union zugelassen ist, wurde laut einer neuen Studie mit möglichen Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung in Verbindung gebracht. Der Fund hat Wissenschaftler und Gesundheitsaktivisten alarmiert, die sagen, dass die Chemikalie Risiken bergen könnte, die bei ihrer Zulassung nicht vollständig verstanden wurden.
Die Chemikalie im Mittelpunkt der Studie
Bei dem fraglichen Pestizid handelt es sich um ein Fungizid namens Flusilazol, das auf Feldfrüchten wie Getreide, Obst und Gemüse eingesetzt wird. Forscher der Universität Süddänemark und der Universität Kopenhagen führten Laborexperimente an menschlichen Stammzellen und Zebrafischembryonen durch. Sie fanden heraus, dass Flusilazol die Entwicklung von Nervenzellen störte, insbesondere jener, die an der Bildung des Gehirns und des zentralen Nervensystems beteiligt sind. Die Studie wurde im Fachjournal Environmental Health Perspectives veröffentlicht.
Warum das für Menschen in ganz Europa wichtig ist
Flusilazol ist seit den 1990er Jahren für die landwirtschaftliche Nutzung in der EU zugelassen. Es wird auf Feldern in Ländern wie Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien eingesetzt. Landwirte verlassen sich darauf, um Pilzkrankheiten zu bekämpfen, aber die neuen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Chemikalie selbst bei geringer Belastung die Art und Weise stören könnte, wie Gehirnzellen wachsen und sich verbinden. Die Forscher stellten fest, dass die Effekte bei Konzentrationen auftraten, die für die menschliche Exposition über Nahrung und Wasser relevant sein könnten. Lokale Umweltgruppen in mehreren EU-Mitgliedstaaten haben eine Überprüfung der Zulassung des Pestizids gefordert und dabei auf das Vorsorgeprinzip verwiesen, das die EU-Chemikalienregulierung leitet.
Was als nächstes passiert
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wird nun voraussichtlich Flusilazol im Lichte der neuen Beweise neu bewerten. Die Autoren der Studie betonten, dass ihre Ergebnisse nicht beweisen, dass das Pestizid beim Menschen Hirnschäden verursacht, aber sie geben genug Anlass zur Sorge, um weitere Untersuchungen zu rechtfertigen. Die Europäische Kommission hat die Befugnis, die Zulassung des Pestizids auszusetzen oder zu widerrufen, wenn neue Risiken auftauchen. Vorerst bleibt Flusilazol auf dem Markt, aber die Debatte über seine Sicherheit ist noch lange nicht abgeschlossen.